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Bewältigung von Ängsten und Panikattacken

Umgangssprachlich werden die Worte Angst und Furcht häufig synonym verwendet. Zum besseren Verständnis von Angsterkrankungen und deren Symptomen ist jedoch eine genauere Unterscheidung sinnvoll.

Furcht ist akut, wird durch konkrete Bedrohung "jetzt" verursacht und dient unserem Selbsterhalt. Oft wird sie durch einen Schreck ausgelöst und veranlasst uns situationsangemessen zu Flucht, Kampf oder Erstarrung (Totstellreflex). Stresshormone werden ausgeschüttet um den Körper zu mobilisieren für Flucht oder Kampf. Wir denken nicht, sondern handeln instinktiv. 

Angst bezieht sich nicht auf eine akute Bedrohung, sondern ist die Erwartung einer möglichen Bedrohung oder Gefahr. Angst ist also zukunftsgerichtet und wird erlernt. Durch eigene Erfahrungen (durch eine Prüfung fallen) oder durch die Übernahme von Ängsten Dritter. Reagiert eine Mutter in Gegenwart ihres Kindes panisch beim Anblick von Spinnen, ist die Wahrscheinlichkeit, dass diese Spinnen-Phobie sich auf das Kind überträgt, nahezu 100%. Grundsätzlich ist Angst jedoch sinnvoll und nützlich. Sie hält uns davon ab, potenzielle Risiken für Leib und Leben einzugehen. 

Vielfach können Inhalte und Ausprägungen von Ängsten den Alltag und die Handlungsfreiheit betroffener Menschen und zusätzlich manchmal auch Ihres Umfeldes beeinträchtigen. In angstbesetzten Situationen, beim Anblick angstbesetzter Objekte, oder auch nur beim Gedanken an dies, verspüren Betroffene Unruhe oder Beklemmung, die sich bis zur Panik steigern kann. Dies führt zu Vermeidungsverhalten: Angstbesetzte Gegenstände oder Situationen werden gemieden. Manchmal reicht es, beim Anblick eines Hundes die Straßenseite zu wechseln. Vermeidungsverhalten kann aber auch dazu führen, dass Menschen aufgrund ihrer Prüfungsangst keinen Führerschein machen oder sich schrittweise aus dem Alltag zurückziehen und Ihre Wohnung nicht mehr oder nur noch in Begleitung verlassen können. Vermeidung macht allerdings nichts besser und beseitigt die Angst nicht. Im Gegenteil. 

Panikattacken können alleine oder in Kombination mit Ängsten auftreten. Kennzeichnend für Panikattacken ist ihr unvorhersehbares, überfallartiges Auftreten in Verbindung mit massiven körperlichen Symptomen wie z.B. Schwindel, Kribbeln in einzelnen Körperteilen oder Herzrasen, die sich bis zur Todesangst steigern können. In der Regel dauern diese Anfälle nur wenige Minuten, in Ausnahmefällen auch 30 Minuten oder länger. Aufgrund ihrer Unberechenbarkeit führen Panikattacken zu einer Angst vor der Angst, die häufig als schlimmer empfunden wird als die Panikattacken selbst. Das kann dazu führen, dass Situationen, in denen ein Panikanfall zum ersten Mal aufgetreten ist, zukünftig gemieden werden (z.B. das Autofahren)

Die Ursachen und Auslöser von Ängsten, Phobien und Panikattacken sind den Betroffenen meist nicht bewusst. Sie sind irgendwann "einfach da".  

Etwas anderes sind Posttraumatische Belastungsstörungen (PTBS). Diese entwickeln sich einige Zeit nach traumatischen Erlebnissen und sind durch Vermeidung bestimmter Situationen und unkontrollierte Erinnerungen an das traumatische Erlebnis (sog. Flashbacks) gekennzeichnet. Albträume, Schlafstörungen, Schreckhaftigkeit oder erhöhte Reizbarkeit können begleitend auftreten. 

Auch körperliche Ursachen können Ängste oder Panikattacken hervorrufen, wie zum Beispiel hormonelle Veränderungen, Erkrankungen der Schilddrüse, des Herz-Kreislauf-Systems oder Diabetes. Daher sollte die Abklärung möglicher körperlicher Ursachen durch Ihren behandelnden Arzt immer der Behandlung psychischer Ursachen vorausgehen oder diese zumindest begleiten. Aus Gründen der Sorgfalt ist dies eine unabdingbare Voraussetzung für die psychotherapeutische Behandlung von Ängsten und Panikattacken in meiner Praxis.

Kleinere Ängste hat nahezu jeder Mensch, kann sie jedoch meist aus eigener Kraft überwinden oder zumindest gut damit leben. Übersteigerte, irrationale Ängste können jedoch sehr belastend sein und die Lebensqualität stark einschränken. Wenn Sie unter Ängsten und/oder Panikattacken leiden, die zunehmend Ihr Denken und Handeln bestimmen und Ihre Handlungsfreiheit einschränken, unterstütze ich Sie gerne dabei, Ihre Angst schrittweise abzubauen. Je eher, desto besser. Damit die Symptome sich nicht weiter manifestieren und Sie baldmöglichst wieder ein unbeschwertes Leben führen können. In meinem Therapieverständnis geht es nicht darum, Ängste und Panikattacken zu bekämpfen, sondern als Reaktion auf etwas zu sehen, dass es zu ergründen gilt und das bestenfalls als Ressource genutzt werden kann.